Psychologie

Das Sorgen-Coaching

Das Auto tut’s nicht mehr, das Kind ist krank, die beste Freundin leider grundlos sauer. Und wir liegen nachts wach und fragen uns, wie wir diesen Riesenknoten entwirren sollen. Hier kommt Hilfe: die besten Notfall-Tipps gegen das Grübeln, ein effektives Sorgen-Coaching – und unser vollstes Verständnis.

Sorgen-Coaching

Das „Was wird sein?“ hat sich zurück in mein Leben geschlichen. Ich habe es gar nicht richtig gemerkt, auf einmal stand es genau neben meinem Bett. Wir kennen uns von früher. Damals, als ich 15 war, trafen wir uns manchmal an der Bushaltestelle. Da saß ich oft am Ende unserer Kleinstadtstraße auf einer schmalen grünen Plastikbank und dachte so vor mich hin. Was wird sein, wenn Michael mit den blonden Locken und dem coolen roten Motorrad mich auch mal bemerkt? Wenn er mich anlächeln oder mich mal küssen würde? Was wird sein – das waren meine Träume. Das war die Vorfreude auf das große, wilde Leben, das da draußen auf mich wartet.

"Früher hielt mich die Sehnsucht wach. Heute sind es meine Sorgen."

Jetzt bin ich 40, mittendrin im wilden Leben. Nur das „Was wird sein?“ fühlt sich irgendwie anders an. Heute sitze ich nicht mehr an der Bushaltestelle, sondern im Bett, und zwar mitten in der Nacht, weil ich einfach nicht mehr schlafen kann. Denn irgendwas ist immer. Und genau da neben meinem Bett steht dann das „Was wird sein?“ und brüllt mich, so gar nicht mehr verheißungsvoll, an: Was wird sein, wenn das mit dem Kita-Platz nicht klappt? Wenn Maja sauer wird, weil ich unser Mädelswochenende mal wieder verschieben muss? Wenn das mit der Auftragslage in der Firma meines Mannes weiter so schleppend läuft? Dazu schon wieder eine Mandelentzündung, obwohl doch Frühling ist. Morgen die Handwerker des Vermieters, die endlich, nach vier Wochen ohne Warmwasser, auch mal vorbeischauen. Das kaputte Auto, der überfällige Anruf bei der Krankenkasse und, und, und – das war’s dann mit Schlafen, ich stehe auf.

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