Verrat unter Freundinnen

Sie waren mal beste Freundinnen. Dann der Verrat: Die eine nahm der anderen den Job weg – und den Mann. Nach sieben Jahren Funkstille treffen sie zufällig wieder aufeinander. Kann man der Rivalin vergeben? Eine wahre Geschichte. 

Verrat unter Freundinnen 1

Es war ein ganz normaler Tag. Ich guckte mir ein Paar Stiefeletten an, probierte drei Schals, wollte dann was trinken. Ich betrat den Coffeeshop und stand – zack! – direkt vor ihr: vor meiner besten Feindin! Sieben Jahre hatten wir nichts voneinander gehört, nun hatte uns das Schicksal einander vis-à-vis gestellt. Susanne sah mir genauso fassungslos in die Augen wie ich ihr, hatte sich aber schneller wieder im Griff. „Das gibt’s ja nicht!“, sagte sie lachend und nahm mich in die Arme. „Hey“, stammelte ich und registrierte, dass sich ihre Umarmung seltsam angenehm anfühlte. Vorsichtig irgendwie.

„Was machst du denn hier, ich dachte, du lebst in New York“, brachte ich mit piepsiger Stimme heraus und hoffte, dass sie nicht mitbekam, wie sehr mich die Situation aufwühlte. Ich wollte cool wirken. Wenigstens das. Nach allem, was sie mir angetan hatte. Seit einem Jahr wäre sie wieder hier, sagte Susanne, und wie lustig sie es fände, dass wir uns begegnen würden. Jetzt wäre sie in Eile, aber „lass uns doch mal treffen!“ Sie drückte mir ihre Visitenkarte in die Hand – und weg war sie. Ich wechselte das Lokal, bestellte statt Kaffee einen Brandy und ließ die letzten sieben Jahre Revue passieren… 

Susanne kam als neue Kollegin in das Architekturbüro, in dem ich damals arbeitete. Binnen kürzester Zeit waren wir unzertrennlich, verbrachten jede Mittagspause und viele Abende miteinander. Sie hatte etwas Verwegenes an sich, war tougher als ich. Ein Alphatier, das sich nahm, was es wollte: in der Liebe, im Job, im Leben. Ich bewunderte sie, liebte ihren trockenen Humor und lauschte atemlos den Schilderungen ihrer bizarren sexuellen Abenteuer. Oft mussten wir die Bürotür zumachen,weil die anderen unser Gelächter nervte. Wir vertrauten uns alles an, wirklich alles: die richtige Haarlänge bei Intimrasuren, die besten Dispo-Überziehungs-Tricks, kleine Ängste und große Träume. Ich erzählte damals viel von Martin, meinem Freund, schwärmte von seinen sexuellen Talenten, klagte über seinen Freiheitsdrang und übersah – leider – das gefährliche Glimmen in Susannes Augen. Sie half mir durch die Hügellandschaft unserer Beziehung und baute mich wahlweise mit derben Witzen oder klugen Ratschlägen wieder auf.

Dann stand die Party eines gemeinsamen Freundes an, die ich absagen musste, weil ich mit einer Grippe im Bett lag. „Geh doch mit Martin“, sagte ich zu Susanne am Telefon. Das war der Anfang vom Ende. Am nächsten Morgen beichtete mir erst ein leichenblasser Martin und kurz danach am Telefon eine heulende Susanne, dass sie zusammen im Bett gelandet wären, etwas füreinander empfinden würden und nun auch nicht wüssten, wie es weitergehen solle. 

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Autor:
Claudia Thesenfitz