Warum wir fremdgehen

Untreu in der Beziehung

Es ist nicht so, wie du denkst, Schatz! Und eigentlich wollten wir diese Affäre doch auch gar nicht – weil sie uns Frauen einfach nur durcheinanderbringt. Warum wir fremdgehen und wie wir trotzdem auf dem richtigen Weg bleiben - ein Erklärungsversuch.

Frau nackt im Auto

Es lief ein Song von Simple Minds und ich war 17. Am nächsten Morgen sah ich im Spiegel das Gesicht einer Betrügerin. Ich hatte Jörg geküsst, dabei war ich doch mit Matthias zusammen. Dem beichtete ich alles unter Tränen. Es wurden die letzten Tränen meiner ersten Liebe. Und ich bekam eine Ahnung davon, dass es nicht leicht werden würde, dieses „Du und ich für immer“-Ding …

Zehn Jahre später steckte meine Beziehung zu Nick in einer Sackgasse. Wir führten eine Fernbeziehung, sahen uns nur am Wochenende und spätestens Samstagmorgen nervte mich schon seine Art, ins Brötchen zu beißen. Da lernte ich Jan kennen. Der kaute selbst Chickenwings noch so, dass ich es anziehend fand. Ein halbes Jahr später trennte ich mich von Nick. Er weiß bis heute nichts von Jan. Ich aber weiß seit dieser Zeit – es kann jedem passieren, und schon bist du die Lügnerin, die du nie sein wolltest.

Nach Umfragen von Forschern auf der ganzen Welt, geht jeder Zweite irgendwann fremd. Zu denen gehöre ich also auch. Untreue, könnte ich jetzt entschuldigen, steckt vielleicht in jedem von uns. Klar träume ich von einem „nur du bis ans Ende der Zeit“. Aber ich habe auch schon versagt, als es drauf ankam. Ist der Anspruch nicht auch idiotisch, fragte ich mich immer an diesem Punkt. Schließlich gibt es kein einziges Lebewesen, das seine gesamte Existenz in einer monogamen Partnerschaft verbringt. Sogar Schwäne, die bislang als besonders treu galten, jubeln ihren ahnungslosen Partnern immer wieder Kuckuckskinder unter. Ja und nicht nur Männer, auch wir Frauen können die „Es ist halt die Biologie“-Karte als Entschuldigung ziehen: Denn – auch das weiß die Wissenschaft – je öfter wir uns mit möglichst unterschiedlichen Männern paaren, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass wir gesunde Kinder bekommen. Besonders umtriebig werden wir, sobald es im Job gut läuft. Oder wir gerade gar keinen haben.

Autor:
Stefanie Lindenberger, Yvonne Adamek