Beziehung und Partnerschaft

Um die Liebe kämpfen?

Um einen Kerl zu erobern, tun wir seltsame Dinge. Frisuren-Experimente, SMS-Feuer, verzweifelte Briefe, jedes Mittel ist uns recht – es geht schließlich um das ganz große Glück! Aber: Lohnt sich der Kampf um die Liebe? PETRA-Autorin Wiebke Borcholte machte sich dazu Gedanken.

Er soll mich verdammt noch mal vermissen. Er soll wissen, was er an mir hat, leiden und nach mir schmachten!“ Alle Gedanken schwirren um ihn, wir tränken eine Familienpackung Tempo nach der anderen mit unseren Tränen, schreiben mit Herzblut schwülstige Liebesbriefe, zerknüllen sie wieder oder starren das Telefon an, bis wir es doppelt sehen. Und das nur wegen eines Mannes. Alles würden wir in diesem Moment für ihn tun. Würde, Emanzipation, Menschenrecht, Stolz? Allesamt unverständliche Fremdwörter, schließlich geht es hier um fette, wahre Gefühle. Jawohl, so ist es!

Das kleine Problem dabei: Liebe kann man nicht erkämpfen. So heißt es zumindest. Zuneigung lässt sich nicht erzwingen, auch das sagt man. Aber stimmt das? Kann man die Liebe eines Mannes wirklich nicht (neu) erkämpfen und auch nicht zurückerobern? Und ganz nebenbei: Diese Weisheiten hielten noch nie eine Frau davon ab, es trotzdem zu versuchen – unberührt davon, wie unmöglich die Umstände, wie gering die Erfolgsaussichten und wie unsäglich die Kerle waren. Ja, wir wissen, was es bedeutet, wenn ein Mann eine Woche nicht anruft. Es heißt nicht, dass er zu viel zu tun hat. Es bedeutet schlicht und ergreifend, dass er nicht mit uns sprechen will. Kein Interesse, die Chancen liegen bei null. Na und? Das heißt ja nicht, dass wir das hinnehmen müssen. Wir und aufgeben? Niemals.

Ich will ihn bekommen

Regel Nummer eins: Frisch verliebte Frauen sind allgemeingefährlich und sollten vor sich selbst beschützt werden – besonders, wenn ihre Gefühle nicht erwidert werden. Meist fängt es harmlos an: „Jana, ruf mich mal bitte an, ich muss wissen, ob mein Handy noch funktioniert.“ Danach wird es nicht besser: Wir kaufen uns verruchte Dessous für horrende Summen, die dann im Wäscheschrank mumifizieren, und entdecken unsere Vorliebe für Kriegsdokumentationen, Handball und Sauerfleisch – weil er etwas in der Richtung erwähnte. Verstand, Erfahrungen und weibliche Intuition? Alles vergessen und verglüht. Wir mutieren zu einem Hormon-Guerilla und setzen alles daran, sein Herz zu gewinnen.

Er will nicht? Egal. Vielleicht existiert ja doch eine geheime Erfolgs-Strategie, um ihn zu bezirzen. So schwankt man zwischen der Low-Interest- Strategie (Ich melde mich jetzt einfach zwei Tage nicht, so kriege ich ihn sicher rum!) und dem Dauerfeuer (Mit Männern muss man Klartext reden!). Elke Vesper, Paartherapeutin und Autorin des Buchs „Ist unsere Liebe noch zu retten?“ (Krüger Verlag, 319 S., 16,95 €) schätzt die Erfolgschancen in diesen Fällen eher gering ein: „Entweder Ihr Gegenüber ist an Ihnen interessiert oder nicht. Es geht nicht darum, jemanden zu knacken oder möglichst lange beharrlich zu bleiben. Es gibt auch keine geheimen Signale, die man nur schwer entschlüsseln kann.“

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Wiebke Borcholte