Cannabis als Lifestyle-Droge

Kiffen, Kind und Karriere

Sie ist Ehefrau, Mutter, erfolgreich im Job. Und: Sie kifft. Marihuana als neue Lifestyle-Droge unter Stressgeplagten? Das Geständnis einer Frau, die alles kann – außer abschalten und entspannen.

Kiffen, als Lifestyle-Droge?

Hören Sie auf zu suchen. Sie werden hier keine Autorenzeile finden. Nicht, weil ich mich dafür schäme, was ich nach Feierabend mache, sobald ich gekocht, gegessen und meine Tochter ins Bett gebracht habe. Aber meine Schwiegermutter und mein Versicherungsmakler wären sicher nicht die Einzigen, die auch nach dem Lesen dieser Zeilen kein Verständnis dafür haben würden, dass ich Pilates gegen Pot getauscht habe und mir nach einem harten Tag in der Kanzlei zur Entspannung einen Joint anzünde. Sicher, ich könnte Studien über den medizinischen Nutzen von Marihuana zitieren. Und mir anhören: „So ein Blödsinn. Du bist gesund, du kiffst nicht, um Schmerzen zu bekämpfen, sondern weil du gern high bist.“ Und ich werde als verantwortungslos abgestempelt. Als jemand, von dem man sich, so er nicht bekehrt werden kann, besser distanziert.

Kiffen, Kind und Karriere, das passt eben für viele nicht zusammen. Auch ich habe so gedacht. Heute weiß ich es besser, denn ich bin ein „High“-Potenzial. Ich zähle zur sogenannten „Sex and the City“- Generation von Businessfrauen, die ohne Bedauern von sich behaupten, Workaholic zu sein. Ja, ich habe eine 60- Stunden-Woche und bereue keine Minute davon. Weil mich das dorthin gebracht hat, wo andere hinwollen – ganz nach oben in einem Job, den ich liebe. Und trotzdem habe ich nette Freunde, ein befriedigendes Liebesleben, Biokost im Kühlschrank und eine Mitgliedschaft im Fitnessstudio, die nicht nur ein guter Vorsatz ist. Kurz: Ich lebe nicht nur für die Arbeit, ich lebe auch ein soziales Leben. Nur, wie die meisten meiner Spezies, habe ich ein klitzekleines Problem: Wir mögen zwar fast alles können – Relaxen aber gehört nicht dazu. Denn wenn man so hoch fliegt, kommt man nur schwer wieder runter. Daher ziehe ich mir die Entspannung rein. Eine Tüte, drei Züge, fünf Minuten – und der Kopf schweigt. Wie sonst nur nach fünf Stunden Yoga. Wer hat dafür schon Zeit? 

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