Designer Karl Lagerfeld im Porträt

Er ist nicht nur in Deutschland ein Star - auch international ist er bekannt wie ein bunter Hund. Was macht Karl Lagerfeld so besonders und seinen Stil unvergleichlich? Wir gehen dem Mythos Modepapst auf die Spur.
Karl Lagerfeld

Schwarzer Anzug, streng nach hinten gebundene, schneeweiße Haare, eine getönte Sonnenbrille und schwarze Handschuhe. Spätestens jetzt sollte es bei jedem klingeln. Die Rede ist von keinem anderen als Star-Designer Karl Lagerfeld. Egal was das in Hamburg geborene Modegenie anpackt, es funktioniert. Dem Workaholic ist keine Arbeit zu viel oder gar zu schwer. Dass es wohl nur wenige High Fashion Labels gibt, für die Lagerfeld noch nicht gearbeitet hat, versteht sich von selbst. Egal ob für Jean Patou, Chloé, Fendi, Valentino, Krizia, Chanel oder seine eigens gegründeten Firmen Karl Lagerfeld und Karl, der inzwischen über 70-jährige kreative Kopf scheint nie zu ermüden.

Neben jährlich bis zu 20 Kollektionen, scheinen Karl Lagerfeld etliche andere Projekte regelrecht zuzufliegen. Ob er für die neue Serie von Volkswagen wirbt oder für Coca Cola als Werbeträger in Erscheinung tritt, Lagerfeld wird in allen Bereichen mit Kusshand genommen. Selbst als Gastdozent für Politikwissenschaften an der Pariser Elite-Universität Scienes Po wird er mit großer Spannung erwartet. Sein Interessensspektrum ist so facettenreich, dass eine detaillierte Wiedergabe ins Endlose führen würde. Darüber hinaus gibt Lagerfeld gerne zum Besten, dass er Stress nicht kenne, denn, so der Designer, „wer gestresst ist, macht etwas falsch. Den amüsiert seine Arbeit nicht“.

Lagerfelds Werdegang – von den Beginnen bis hin zur eigenen Kollektion

Während Lagerfeld ein großes Geheimnis um sein Alter macht, und viele Gerüchte in der Welt kursieren, wann Karl Lagerfeld nun wirklich geboren ist, können wir nur eins sagen: Es geschah an einem 10. September zwischen 1933 und 1938. Aber das ist nun auch wirklich nebensächlich, denn was letztlich zählt ist sein überragendes Talent.

Von Wunderkind bis Modepapst, keine Bezeichnung würde den Modeschöpfer nicht treffend umschreiben. Das hamburger Unternehmerkind zieht mit 14 Jahren mit seiner Mutter nach Paris. 1955 gewinnt der Jugendliche mit einem Mantelwurf den ersten Preis der „International Wool Association“, wodurch er sofort eine Stelle bei dem Modehaus Pierre Balmain angeboten bekommt. Dort absolviert der Jungspund eine Schneiderlehre, bevor er 1958 die künstlerische Leitung bei Jean Patou übernimmt. Nebenbei entwirft er als freier Designer auch bei den Luxushäusern Valentino und Krizia. 1963 verlässt er Jean Patou und übernimmt die künstlerische Leitung bei Chloé. Während er ab 1964 (bis heute) zusätzlich für Fendi designt, entwirft er zwanzig Jahre lang Kollektionen für Chloé und gründet 1984 dann sein eigenes Label „Karl Lagerfeld“, welches 2004 von Tommy Hilfiger gekauft wird. Parallel zur Entwicklung seines eigenen Labels, beginnt er 1984 seine Karriere bei Chanel, wo er bereits ein Jahr später zum Chefdesigner aufsteigt. Doch Lagerfeld hat noch immer nicht genug und kehrt zusätzlich von 1992-1997 zurück zu Chloé, um auch hier weitere Kollektionen zu entwerfen. Bis heute ist der vor Kreativität sprühende Designer, Fotograf und Kostümbildner nicht aus der Modewelt wegzudenken. Nach einer fast 60-jährigen Laufbahn ist immer noch kein Ende in Sicht. Momentan hat er Chanel, Fendi und Karl Lagerfeld unter seinen Fittichen.

Karl Lagerfelds Welt der Inspirationen

Karl Lagerfeld hat nicht „die eine“ Inspirationsquelle. Stattdessen finden die unterschiedlichsten Einflüsse, Eindrücke und Begegnungen ihren Weg in sein Unterbewusstsein, bis sie schließlich für seine Kollektionen brauchbar werden. Verschiedenste Eindrücke treffen in seinen Kollektionen aufeinander. Da ist es schwer zu sagen, wovon Monsieur Lagerfeld sich diesmal hat inspirieren lassen. Lagerfeld selbst beschreibt sich als sehr wissbegierig. Er will alles wissen, können und ausprobieren. Der ewige Selbstkritiker will sich immer wieder selbst übertrumpfen, es besser machen als zuvor und sich immer weiterentwickeln. Dabei bedient er sich mit großer Vorliebe dicker Wälzer und überlässt das Medium Internet lieber seinen Assistenten. Egal ob Geschichte, Politik oder Kultur, seine Neugierde neues zu ergründen endet nie. Der Drang sich ständig verbessern zu müssen ist mit Grund dafür, dass Lagerfeld noch lange nicht an ein Ende seines Designer-Daseins denkt. Nach einer so langen Karriere und etlichen erfolgreichen Kollektionen, kommt Lagerfelds Mode nie zum Stillstand. Sein Perfektionismus mag Ursache für den ständigen Wandel seines Stils sein.

Der Lagerfeld-Look

Für Chanel kreiert er unkonventionelle, elegante und tragbare Mode, die mit der Vision der ursprünglichen Designerin Gabrielle „Coco“ Chanel übereinstimmt und interpretiert ihren Stil immer wieder aufs Neue. „Weniger ist mehr“ ist dabei der prägende Gedanke seiner Entwürfe. Deswegen steht verspielte und überladene Mode bei Karl Lagerfeld nicht auf dem Programm. Pure Eleganz mit maskulin angehauchten Schnitten und diese am liebsten in Schwarz-Weiß, so kann man sich den typischen Lagerfeld-Look vorstellen.

Karl Lagerfelds Leben und der Luxus der Einsamkeit

Vielleicht ist das das Geheimnis des Modegenies der Neuzeit. Die Neugier und der nie endende Elan neue Dinge und Projekte anzugehen, lassen ihn nach all den Jahren noch immer mit großer Leidenschaft seiner Berufung nachgehen. Überheblich wirkt der Designer in Bezug auf seine beachtenswerte Karriere nie. Stattdessen meint er, er hätte vieles besser machen können. Trotz seiner häufig drastischen Äußerungen in der Öffentlichkeit (im Herbst dieses Jahres ließ er sich zum Beispiel in Paris öffentlich über dicke Frauen aus und gab zum Besten, dass niemand dicke Frauen auf dem Laufsteg sehen wolle und diese dem Staat ja schließlich auf der Tasche lägen, wofür ihn jetzt eine Gruppe von französischen Aktivistinnen anklagte) scheint ihm der Erfolg in Bezug auf die wesentlichen Dinge nicht zu Kopf gestiegen zu sein. Stattdessen lebt der Designer eher zurückgezogen und genießt das Alleinsein, denn das sei ja, so betont der Designer immer wieder, schließlich der größte Luxus.

Auch heute macht der große Karl sich immer wieder auf zu neuen Ufern. Gerade erst hatte er die Welt am Sonntag als Chefredakteur für eine Sonderausgabe unter seinen Fuchteln. Lagefelds Projektkatalog scheint also auch Richtung 2014 nicht zu erschlaffen und so können wir nur eines sagen: Chapeau, Karl!

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Autor:
Anna Rose