Designer Die Design-Stars von morgen

Ein eigenes Modelabel, davon träumen viele. Aber wie bekommt man es hin? Und wer sind die heißesten Fashion-Newcomer Berlins? Wir warfen einen Blick hinter die Kulissen.
Glaw Designer

Auf Knien hocken sie vor der Wanne, die Gummihandschuhe bis zum Ellenbogen hochgezogen, und tauchen das Leder immer wieder ins Farbbad. Wann stimmt der Ton? Sieht die Schattierung endlich gut aus? Nächtelange Experimente mit teurem Nappa, nur für eine Jacke. Am Ende sind die Finger schwarz, trotz der Handschuhe, und die Augen rot. Nützt ja nichts, die Musterstücke für ihre Biker-Batik-Jacken machen Jesko Wilke und Maria Poweleit noch immer selbst. "Wir haben diesen Look ja auch erfunden", sagen die beiden Designer des jungen Labels Glaw. Es braucht gute Ideen und absoluten Einsatzwillen, um mit einem eigenen Label aufzufallen. Viele Teenager träumen davon, sehen sich Entwürfe skizzieren und Stoffe drapieren.

Modedesigner - Traum vs. Wirklichkeit

Glaw

Label to watch: Glaw

Hinter der Marke steckt das Designerduo Jesko Wilke und Maria Poweleit. Die beiden lernten sich an der Esmod kennen und arbeiten seit 2011 zusammen. Typisch für Glaw ist die Verwendung von Seide, Leder und Spitze. www.glaw-berlin.com.

Wenige finden einen guten Studienplatz, und von denen kapitulieren so einige, wenn sie im ersten Praktikum den Alltag erleben: Der ist kaum kreativ. Ein Modelabel ist ein Unternehmen. Einkauf, Produktion, Vertrieb und Marketing, Preisbildung, Warenwirtschaftssystem – gehört alles dazu. Wen das abschreckt, der schlüpft lieber als Kreativer bei einem großen Modehaus unter. Die zwei von Glaw räumten gleich nach dem Studium Ecken ihrer Wohnungen frei, um ihre erste Kollektion zu entwickeln. Sie hatten sich vorher schon oft zusammengetan, um nicht allein zu sein, wenn sie mal wieder die Nacht durcharbeiten mussten. An der Esmod Berlin, der Dependance der Internationalen Kunsthochschule für Mode, zu studieren, fanden beide ideal, gerade wegen des strammen Programms. "Das war die beste Vorbereitung auf den harten Alltag." Die Schinderei zahlt sich aus, jetzt, nach zwei Jahren. Mit ihren Jacken sind Glaw bekannt geworden, aber sie entwerfen auch Spitzenkleider und hauchdünne Blusen. Eine eigene Mischung aus hart und zart, die sie in diesem Sommer erstmals im Showzelt der Berliner Fashion Week gezeigt haben. Kritiker loben ihre Ideen, im Onlineshop kostet eine typische Biker-Batik-Lederjacke fast 1000 Euro. Klingt glamourös, aber ist das schon der Durchbruch? "Leben können wir von unserem Label noch nicht", gesteht Wilke.

Ein Label, ein Look

Achtland

Label to watch: Achtland

Thomas Bentz (l.) und Oliver Lühr sind die Köpfe hinter der Firma. Sie kennen sich aus London, wo Oliver Modedesign und Thomas Politik- und Wirtschaftswissenschaften studierte. 2011 wurde das Label gegründet. Der Name Achtland stammt aus der irisch-keltischen Mythologie: Die Königin Achtland wies alle Männer zurück, bis ein Gott um sie warb und sie durch die Heirat mit ihm unsterblich wurde – hübsch, oder? www.achtland.net

Wäre auch ein Wunder, meint Thomas Bentz vom Modelabel Achtland. "Es dauert eben fünf Jahre, bis es so weit ist." Bentz und sein Partner Oliver Lühr sind ebenfalls 2011 an den Start gegangen – auch Achtland wirft noch nichts ab. "Wir haben einen konservativen Businessplan geschrieben, und der passt", sagt Bentz gelassen. Er ist der Manager des Duos, hat einen Wirtschafts-Master in London gemacht. Dort lernte er auch Lühr kennen, der am berühmten Central Saint Martins College Modedesign studiert hatte. Die beiden wurden erst ein Paar, dann wollten sie gemeinsam etwas auf die Beine stellen. "Dass es Mode wird, war klar", sagt Bentz. Die Aufgaben teilen sie sich nach ihren Fähigkeiten, aber: "Es ist nicht so, dass Thomas die Peitsche schwingt und ich mit Tüchern durch die Gegend tanze", sagt Lühr. Oft sei er, der Kreative, sogar der Rationalere und Sparsamere. Vom College hat er sein kreatives Selbstbewusstsein mitgebracht. "Das brauchst du unbedingt, wenn du ein Label gründest", so Bentz. "Du musst wissen: Das ist der Look, den ich schaffen will. Der hat eine Berechtigung."

Modedesign ist ein Geschäft

Dass die Welt Achtland braucht, fand auch Christiane Arp, als sie 2012 eher zufällig die erste Kollektion sah. Arp, Chefredakteurin der deutschen "Vogue", lädt regelmäßig während der Fashion Week Modeeinkäufer in den "Vogue" Salon ein, um ihnen persönlich eine Auswahl von jungen Designern zu empfehlen. "Sie schickte ihre Gäste spontan auch zu uns", erzählt Bentz. Beim nächsten Salon waren sie mit dabei. "Ein Qualitätssiegel", sagt Lühr. Einkäufer zum Ordern zu bewegen, das ist die größte Hürde auf dem Weg zum wirtschaftlichen Erfolg. Mögen sich die Medien noch so begeistern für avantgardistische Schnitte und ungewöhnliche Materialien – die Menschen, die auf Messen und Modewochen nach Kleidern für ihre Geschäfte suchen, haben andere Kriterien: Verkauft sich das? Sie schauen erst mal: Liefert ein Label regelmäßig starke Kollektionen? "Bis zu sechs Kollektionen lang beobachten sie nur“, sagt Bentz. So lange müssen sie durchhalten. Kaum Geld, aber motiviert bleiben, während die Konkurrenz wächst und die Medien schon die Nächsten hypen.

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