Talk About Helfen Sex-Verabredungen gegen eine Flaute im Bett?

Zu gestresst, zu müde, zu vollgefuttert – es gibt viele Gründe, sich nebeneinander auf dem Sofa zu räkeln, anstatt übereinander herzufallen. PETRA-Autorin Yvonne Adamek ging der Frage nach, ob das Liebesspiel nach Plan wirklich gegen die Flaute im Bett hilft…
Paar mit Wecker im Bett

Ein in Blick auf die Uhr. Schon kurz nach Mitternacht. Höchste Zeit, ins Bett zu gehen, wenn der Wecker um sieben klingelt. Noch ein weiterer kurzer Blick auf den Mann neben Ihnen auf dem Sofa: Sieht noch gar nicht müde aus. Stattdessen nur dieses eindeutig zweideutige Grinsen. In seinen Augen leuchten drei Buchstaben, so auffällig wie das gelbe M von McDonald’s neben dunklen Autobahnen: SEX! Nach so einem langen Tag? Viel zu anstrengend! Und sowieso, der Wecker…! Während Sie noch nachdenken, wie Sie möglichst galant aus der sich anbahnenden Nummer herauskommen, hören Sie sich plötzlich selber sagen: "Oh nee, lass mal. Ich bin echt zu kaputt. Aber morgen, versprochen…" Er verdreht die Augen und wendet sich mit einem genervten Grunzen wieder dem Fernseher zu. Und Sie sitzen da mit einem schlechten Gewissen und einer gewissen Ahnung, dass sie ihn morgen Abend mit Plüschaugen ansehen – und er leider diesmal entschuldigend mit den Schultern zuckt, weil er zu müde für den Sex ist.

Liebesleben

Wie wenig Sex haben wir?

Nein, das ist kein Einzelschicksal. In einer forsa-Umfrage exklusiv für PETRA gaben 34 Prozent der befragten Frauen zu, dass etwas mehr als eine Woche ohne Sex keine Seltenheit in ihrer Partnerschaft sei. Immerhin 17 Prozent waren sogar mit über einem Monat Sexflaute vertraut. Und die Gründe dafür? "Wir neigen dazu, Intimität und Sexualität in unserem Leben viel zu wenig Platz einzuräumen", sagt Dr. Carla Thiele, Sexualtherapeutin und Autorin von "Guter Sex ohne Stress" (Ullstein, 240 S., 9,99 Euro). Unser Partner wird irgendwo zwischen Überstunden, Yogakurs und Mädelsabend gequetscht. Und dann wundern wir uns, dass bei so einem aufmerksamkeitsfressenden Zeitplan jegliche Unbefangenheit in der Liebe verloren geht. Man hat zwar noch Lust, aber irgendwie immer zum völlig falschen Zeitpunkt. In der Mittagspause zum Beispiel, wenn der Partner gerade 30 Fahrradminuten von einem entfernt nichts ahnend in der Kantine sitzt und Pommes kaut.

Und abends? Da ist nach weiteren vier Stunden Büro und einem nervigen Nachhause weg nicht mehr viel übrig von der Mittagslust – und der "Circus HalliGalli" tobt mal wieder nur im Fernsehen. Was kann man tun, wenn der Alltag sich klammheimlich unser Liebesleben einverleibt? Reicht es vielleicht, sich neben den unzähligen To-do-Listen auch noch eine To-enjoy-Liste zuzulegen, auf der man fein säuberlich vermerkt, dass man jeden Dienstag mit seinem Liebsten um 22 Uhr in die Laken steigt?

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Was bringen Sex-Verabredungen?

Immerhin 45 Prozent der befragten Frauen glauben, dass zum Beispiel regelmäßige Sexverabredungen dabei helfen können, wieder Schwung ins Liebesleben zu bringen. Die Idee ist gar nicht mal so schlecht. Denn genau wie wir uns daran gewöhnen können, so gut wie gar keine Intimitäten mehr auszutauschen, so können wir auch wieder lernen, liebevoller miteinander umzugehen. Sexualtherapeutin Dr. Carla Thiele würde allerdings nicht sofort mit einem Sexdate anfangen. "Gerade wenn wir etwas sehr lange nicht mehr gemacht haben, erscheint es uns als großer Kraftaufwand, es wieder zu versuchen."

Liebesleben
Das ist beim Sex nicht anders als beim Sport. Beim Training würde Ihnen ja auch niemand raten, nach ein paar Wochen Workout-Pause direkt wieder in die Vollen zu gehen. Egal, ob Muskelaufbau oder Liebesleben – kleine Schritte führen am Ende viel schneller zum Erfolg als große Hechtsprünge, wenn Sie gerade in einer Phase sind, in der Sie mit Sex so wenig anfangen können wie mit einem Pandabär im Wohnzimmer. "Es ist schon ein guter Anfang, erst einmal wieder kleine Berührungen zuzulassen", so die Expertin Dr. Carla Thiele. Ihr Rat: "Genießen Sie den Moment, ohne dabei daran zu denken, was daraus vielleicht entstehen könnte." Je mehr Körperkontakt Sie haben, desto selbstverständlicher wird es irgendwann auch wieder, im Bett mehr zu tun, als nach einem langen Tag erschöpft nebeneinander einzuschlafen.

Warum haben wir so selten Sex?

Das Hauptproblem von Sexflauten ist nämlich meistens nicht die mangelnde Lust, sondern die selbst errichteten Blockaden im Kopf. Weil die eigenen Gedanken nur noch um die Frage "Will ich jetzt oder nicht?" kreisen, fällt es immer schwerer, die eigene Lust richtig zu deuten und einzuordnen. Vor lauter Grübelei verlieren wir den Blick fürs Wesentliche. "Viele Frauen neigen in solchen Situationen dazu, körperliche Nähe durch pflichtbewusste Rituale zu ersetzen", sagt Dr. Carla Thiele. Sie glauben, durch ein aufwendiges Abendessen oder frisch gebügelte Hemden dem anderen zeigen zu können, wie wichtig er ihnen ist. Dabei würde eine innige Umarmung oder das Halten seiner Hand, während er neben einem auf dem Sofa sitzt, viel mehr bewirken als ein auf den Punkt gebratenes Steak. "Um zu lernen, Intimitäten wieder zuzulassen, können feste Dates tatsächlich helfen", sagt die Therapeutin. Also doch! "Ja, der Clou ist nur, dass sie nicht zwangsläufig in Sex enden müssen." Dr. Carla Thiele spricht aus diesem Grund auch nicht von Sexdates, sondern etwas trocken von "festen Partnerzeiten“ und rät: "Planen Sie zwei- bis dreimal die Woche so eine Partnerzeit ein." Wie viele Stunden Sie dafür reservieren und wie Sie Ihre gemeinsame Zeit gestalten möchten, ist dabei Ihnen überlassen. Ein Kinobesuch ist genauso in Ordnung wie ein Ausflug ins Hamam oder auch ein ausgedehnter Winterspaziergang. Wichtig ist, dass Sie sich in dieser Zeit auf sich als Paar konzentrieren. Alles andere bleibt draußen: Kinder werden wegorganisiert, Schwiegermütter, kicker.de und Facebook sind verboten. Entscheidend ist die Maxime: Alles geht, nichts muss.

Sex ja, aber blos keinen Druck!

Solche geteilten Erlebnisse und die damit verbundenen positiven Gefühle haben nämlich noch einen weiteren Vorteil: Sie verdrängen lästige Fragen wie "Habe ich heute eigentlich Lust?“ aus Ihrem Kopf. Nach und nach verschwindet das schlechte Gewissen und mit ihm der Druck, dem man sich selbst ständig aussetzt. Der Umgang mit Ihrem Partner wird wieder viel natürlicher. Wer weiß, mit etwas Glück fühlen Sie sich sogar wieder so wie in den ersten Monaten Ihrer Beziehung. Da haben Sie doch schließlich auch nicht darüber nachgedacht, ob Sie morgen früh rausmüssen oder der Bus zur Arbeit in fünf Minuten fährt. Sie haben sich einfach auf den Moment eingelassen und die Welt um sich herum vergessen. Probieren Sie genau das wieder aus. Vielleicht wird es fast so wie damals. Mit dieser neu gewonnen Unbefangenheit wird es Ihnen auch leichter fallen, auf Ihren Partner zuzugehen – und ihm auf sie.

Liebesleben

Vielleicht haben Sie ja Lust, ihn zu verführen. Ein Trick, der immerhin bei einem Viertel der von forsa befragten Frauen sehr beliebt ist, um wieder Schwung ins Sexleben zu bringen. Es müssen ja nicht gleich die klassischen Strapse oder High Heels sein. Für die müssten Sie schließlich schon wieder bis zum Feierabend warten. Und wer weiß, ob man die Manolos immer noch so sexy findet, wenn man den ganzen Tag im Büro durch die Gegend gerannt ist. Besser ist es, das Feuer schon vorher etwas zum Lodern zu bringen. Mit der einen oder anderen heißen SMS zum Beispiel. Dann schadet es ja auch nicht, wenn Sie ausgerechnet mittags unanständige Gedanken bekommen – Sie können es ihn ja einfach wissen lassen. Wer sagt denn, dass man sich nicht so anzügliche Nachrichten schicken kann, wie man es früher einmal getan hat? Und anstatt wie jeden Tag zu fragen, wer was einkauft, fällt das Abendessen heute dann eben komplett aus. Sie haben schließlich etwas Besseres vor…

* Exklusiv für PETRA Befragte das Meinungsforschungsinstitut forsa 503 Frauen zwischen 25 und 40 Jahren.

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Autor:
Yvonne Adamek