Stars Die Erfolgsgeschichte von Heidi Klum

Das Supermodel Heidi Klum ist längst nicht mehr nur eine erfolgreiche Business-Frau, sie hat sich bereits zu einer internationalen Marke etabliert. Wir haben das hübsche Mädchen aus Bergisch-Gladbach einmal genauer unter die Lupe genommen.
Heidi Klum

Früher oder später erfährt es jeder, der in dieser Redaktion einen neuen Job anfängt: „Sag mal, weißt du eigentlich, dass PETRA die Heidi entdeckt hat?“ Die Heidi! Stimmt, das war 1992 bei einem Model-Contest. So fing alles an. Heidi Klums Bewerbungs-Brief von damals ist im PETRA-Archiv verschollen. Aber es existiert die Ausgabe, in der PETRA ihren Sieg gefeiert und Heidi und ihre Puppen im Kinderzimmer fotografiert hat. Interessanterweise war das Cover-Girl jenes Heftes Eva Herzigova, mit 19 Jahren genauso alt wie Heidi. Eva Herzigova läutete die Ära des osteuropäischen Fräuleinwunders auf den Laufstegen ein und bekam diesen legendären Wonderbra-Werbevertrag. Doch mit dem Ende der Supermodel-Ära verschwand sie wieder von der Bildfläche. Heidi nicht.

 

Der Zenith ihrer Karriere

Heute ist sie die Alpha-Frau, der Mega-Star, die amtierende Werbe-Ikone, Deutschlands Außenministerin für Glanz und Attraktivität, Disziplin und Erfolg. Sie ist 40, ein biblisches Alter für ihren Berufsstand, denn die Halbwertszeit von Models ähnelt der von Joghurt, und ihr Jahrgang genießt schon längst das Altenteil. Heidi Klum aber steht auf dem Zenith ihrer Karriere und moderiert zum neunten Mal „Germany’s Next Topmodel – by Heidi Klum“.

Damals, als Heidi Klum an PETRA schrieb, war sie 19, brünett, geboren und aufgewachsen in der rheinischen Kreisstadt Bergisch Gladbach. Mit Make-up sah sie mindestens zehn Jahre älter aus. In ihrem Jugendzimmer mit den vielen Puppen hatte sie ihren großen Traum geträumt und sich auf Drängen einer Freundin wie 30.000 andere Mädchen beworben, um „Model 92“ zu werden. Der Urlaubs-Schnappschuss, den sie eingeschickt hatte, überzeugte, obwohl einige in der Redaktion rummäkelten, weil sie Heidis Oberlippe zu schmal und ihr Gesicht gewöhnlich fanden und überhaupt, die Oberschenkel... Doch sie hat alle Mitbewerberinnen überrundet, die Mädchen traten eine nach der anderen die Heimreise in ihren Alltag an. Am Ende stand dieses Mädchen aus dem Rheinischen im bauchfreien Outfit auf dem Siegertreppchen, eine Spur ungelenk, und Thomas Gottschalk als wandelndes Schulterpolster gratulierte ihr in seiner Late-Night-Show zum Titel „Model 92“. Heidi lächelte schüchtern.

Aller Anfang ist schwer

Für den Karrierestart hatte Heidi Klum einen schlechten Zeitpunkt erwischt: Die Konkurrenz dominierte längst die Laufstege in Mailand und Paris und die Titelblätter der Mode-Magazine. Der Hype um Supermodels wie Naomi Campbell, Amber Valletta oder Christy Turlington erreichte den Höhepunkt, Popsänger George Michael hatte Cindy Crawford und ihren Glamour-Schwestern mit seinem Musikvideo „Freedom“ bereits ein Denkmal gesetzt. In dieser illustren Clique, deren Mitglieder berühmter wurden als Schauspielerinnen und die als geschlossene Gesellschaft funktionierte, besetzte schon Claudia Schiffer die Rolle der „Deutschen“. Was tun, wenn die Reihen in der ersten Klasse belegt sind? Heidi Klum setze sich ohne zu nörgeln auf den Economy-Platz und nahm in den ersten Jahren Brot-Jobs an, für die Linda Evangelista morgens niemals aufgestanden wäre. Konfektion statt Couture: Sie ist nie für Versace, Gucci oder Chanel auf den Catwalks gelaufen. Mit Fleiß, Pünktlichkeit und Disziplin, diesen landläufig deutschen Tugenden, hat sie sich hochgeschuftet, und zwar immer blendend gelaunt (keine landläufig deutsche Tugend). Das bestätigen Wegbegleiter von früher.

Heute pendelt sie zwischen Los Angeles, New York und – ganz wichtig: Bergisch Gladbach. Sie mag jetzt Weltbürgerin sein, lebt seit ’93 in den USA und spricht Amerikanisch fast so perfekt wie Deutsch, aber Heimat bleibt eben Heimat. Man kriegt Heidi aus Bergisch Gladbach heraus, aber Bergisch Gladbach nicht aus Heidi. Das mag herzensechter Lokalpatriotismus sein oder Geschäftskonzept – ihre Firma Heidi Klum GmbH & Co. KG wird ja dort von ihrem Vater Günther geleitet. Er fungiert auch als Manager, alles bleibt in der Familie, nichts Geschäftliches dringt nach draußen. Externe Berater brauchen sich gar nicht bei ihr zu bewerben, der Klum-Clan passt höllisch gut auf sein Küken auf. Aber auch Bergisch Gladbach darf Heidi Klums Popularität nutzen: Die Stadt lässt sie in einem amateurhaft-charmanten Werbe-Kurzfilm unter 02202.com fröhlich losbrabbeln.

 

Die Perfektionistin

Ihre Medienpräsenz hat sie inzwischen perfektioniert, den richtigen Mann dafür hat sie aber noch nicht gefunden. Mit ihrem ersten Ehemann, dem aus Australien stammenden Promi-Friseur Ric Pipino, landete sie so gut wie nie in den Klatschspalten. Der italienische Formel-1-Sugardaddy Flavio Briatore war da schon eine andere Hausnummer. Durch die Beziehung mit ihm legte ihr Bekanntheitsgrad einen Kavalierstart hin. Ins Ziel fuhr sie dann aber allein. Welche intelligente Frau will schon länger als nötig nur hübsches Begleitwerk sein, Benzin-Dämpfe einatmen und sich wegen hochtourig jaulender Boliden einen Tinnitus einfangen? Erst recht keine Schwangere. In ihrer Casting-Endrunde für „Germany’s Next Topmodel-Husband“ siegte schließlich vorerst Seal. Flavio mit seinen blauen Hemden war Geschichte, Tochter Leni unterwegs. Auftritt Seal – und bingo. Der amerikanischen Talkshow-Königin Oprah Winfrey hat Heidi jüngst verraten, dass sie ihren zweiten Ehemann zum ersten Mal in einer New Yorker Hotellobby gesehen hat. Sie war sehr beeindruckt von, nun ja, der Ausstattung ihres Zukünftigen (er trug Radlerhosen, ein sehr enges Exemplar, wie sie betonte). Auf solche „Enthüllungen“ wartet die Klatsch-Presse, und schon wurde sie, wurde das Paar, in allen Zeitungen dieser Welt zitiert. Kurz danach erreichte die Info, dass sie ihre Brüste Hans und Franz nennt, ebenfalls alle Leute, die mehr lesen als den Wirtschaftsteil.

 

Ein Leben in der Öffentlichkeit

Heidi Klum und Seal waren ein fotogenes Pärchen, das viel Zeit miteinander verbrachte – aber eben nur waren. Neben Brangelina (Brad Pitt und Angelina Jolie) und TomKat (Tom Cruise und Katie Holmes) erreichten sie zwar Traumpaar-Status Nr. 3, das Fotografen magisch anzog, aber für die Ewigkeit hat es doch nicht gereicht. Anfang 2012 hatten sich das Model und der Sänger nach sieben Ehejahren voneinander getrennt. Seals aufbrausendes Naturell soll mit ausschlaggebend für die Trennung gewesen sein. Eine fast skandalöse Nachricht in den Medien. Und es sollte noch skandalöser kommen: Kurz danach bändelte das Supermodel mit ihrem Bodyguard Martin Kirsten an. Händchenhaltend und kuschelnd wurden sie von den Paparazzi eingefangen. Kann das funktionieren? Mit einem Angestellten eine Beziehung einzugehen und das kurz nach einer Trennung? Die Medien bezeichneten Martin als „Lückenbüßer“ und begegneten der Liaison missmutig. Als dann nach anderthalb Jahren die Trennung bekanntgegeben wurde, war man nicht wirklich geschockt. Nur die Gründe für das Liebes-Aus kamen bis heute nicht an die Oberfläche. Nach der Trennung und der einhergehenden heftigen Medien-Resonanz zog sich das Supermodel mit ihrem Privatleben nämlich zurück, war nicht mehr so locker-flockig und vor allem offen gegenüber der Presse, wie wir es gewohnt waren. Sie hat, wie so viele andere Promis auch, gelernt, dass die Öffentlichkeit Gift für eine Liebe sein kann.

 

Überall gleichzeitig

Nebenbei ist die dreifache Mutter auch ein Wunder an Zeiteffizienz. Ob Heidi eine Zeitmaschine im Keller stehen hat, die sie einmal pro Tag zwischen der Alten und der Neuen Welt hin und her befördert? Sie moderiert hierzulande „Germany’s Next Topmodel“ und in den letzten Jahren auch die amerikanische Casting-Show „Project Runway“. Sie richtet seit Jahren die lustigste Halloween-Party von Hollywood aus (für die sie sich leidenschaftlich gern verkleidet) und wirft bei deutlich niedrigeren Temperaturen am Rosenmontag Kamelle unters Bergisch Gladbacher Volk. Sie erfüllt ihre Werbeverträge, tourt regelmäßig durch amerikanische Talkshows, steht auf roten Teppichen bei allen wichtigen Preisverleihungen. Außerdem findet sie Zeit, mit ihrer Familie am Strand von Malibu zu entspannen oder mit ihren Eltern im Schlepptau, die oft zu Besuch kommen, durch den Schnee von Aspen zu stapfen, den Nobel-Skiort in Colorado – da sind doch keine Heidi-Klone unterwegs? Keine Woche vergeht ohne neue Heidi-Fotos, inszenierte und solche, die Paparazzi aus der Hüfte geschossen haben, manchmal trägt sie Make-up und manchmal gar keins. Egal, wann und wo, Heidi Klum sieht nie abgespannt und gestresst aus. In den letzten 21 Jahren zierte sie unzählig viele internationale und hochkarätige Cover. Dabei lacht sie immer dieses berühmte Heidi-Klum-Lachen, jedes Kind kennt dieses Strahlen, auf den Straßen hier in Hamburg, aber auch in Meinerzhagen, Winnipeg und Mumbai. Sie ist mittlerweile blond und nicht mehr brünett. Vielleicht ist sie nicht mehr so freundlich zu jedermann, unverstellt und ohne Argwohn wie vor knapp 21 Jahren, aber welcher Mensch wäre das schon bei so einer Karriere.

Eine kleine Bitte hätten wir aber doch noch: Liebe Heidi Klum, bitte übertreiben Sie es nicht mit Ihren Werbeverträgen, dem Turteln vor den Kameras und den Neuaufgüssen von Model-Wettbewerben. Damit sich niemand eines Tages satt an Ihnen sieht.

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