Reise-Geschichten

London, Föhr und Rimini

Amore an der Adria, Klassenfahrt nach London, Wattwandern auf Föhr: Drei Autorinnen reisten an den Urlaubsort ihrer Kindheit – Überraschungen inbegriffen

Rimini

1971 verliebte sich Tina Engler in Massimo

Sommerferien in Gabicce Mare: An jeder Ecke Gelato, Sonnenschirme bis zum Horizont, Sardinenbüchsengefühl. In meiner Welt drehte sich aber alles nur um einen: Massimo, der mit seinem verwegenen Blick und diesem Lächeln jedes Frauenherz zum Schmelzen brachte. Natürlich auch meines und das meiner Schwester Kiki, die mit ihren 13 Jahren wesentlich bessere Chancen bei dem 17-jährigen Schönling hatte. Mit meinen zarten acht Jahren nahm mich mein Schwarm überhaupt nicht wahr.

Massimos Familie gehörte das schmucke Holzboot „Gabbinno“. Für damals 15 Mark pro Person konnten Touristen während eines Tagesausflugs bis nach Rimini hochschippern. Einmal hatte mein Vater die Spendierhosen an, wir durften mitfahren. Leider erwischte mich die Seekrankheit: Zitrone lutschend verbrachte ich die Zeit unter Deck, während Kiki sich an Massimo heranmachte. Die nächsten Tage konnte mich nichts aufmuntern. Weder Ausflüge ins Hinterland auf die Märchenburg von Gradara noch Rimini, die kulturelle Hochburg mit all den historischen Gemäuern. Für mich war die Emiglia Romagna gestorben. Genauso wie die toten Sardinen auf meinem Teller, die mich beim Abendessen in unserer kleinen Privatpension Mitleid heischend anstarrten. Sie sind übrigens Schuld daran, dass ich immer noch keinen Fisch mag. Natürlich ist der Liebeskummer längst verflogen – heute kehre ich oft zurück in diese Region. Denn der „Teutonengrill“, wie der längste Sandstrand Europas früher genannt wurde, ist weit attraktiver als sein Ruf. Zugegeben, die Strände sind im Sommer fest in Touristenhand, aber in der Nebensaison spürt man Mengen italienischen Flairs, obwohl sich das Leben hier in den vergangenen Jahren ziemlich verändert hat.  

Wo früher einfache Holzbuden standen, sehe ich heute Chillout-Lounges mit W-Lan. Statt Sandburgen zu bauen, fläze ich mich auf Daybeds und lasse mich von „Café del Mar“-Klängen im„Turquoise Beachclub“ (www.turquoisebeachclub. com)wegtragen. In der Altstadt von Riminiumweht mich aber noch heute der Hauch der alten Zeit, die Fellini auf Zelluloid bannte.Und während sich auf der Piazza Cavour die Einheimischen tummeln, nehme ich meinen Logenplatz am Rand des weißen Pinienbrunnens ein.

Wenn ich absolute Ruhe brauche, fahre ich ein paar Kilometer landeinwärts und wandele auf den Spuren meiner Kindheit. Die Burg von Gradara – Zeit für ein paar Erinnerungen. Ach, Massimo, du alter Herzensräuber ... Wahre Liebe währt eben doch ewig.

Reise-Informationen:

Anreise Air Dolomiti fliegt dreimal wöchentlich ab München hin. Oneway inkl. Steuern und Gebühren ab 99 €. www.airdolomiti.it Wohnen Club-Atmosphäre im alten Gemäuer bietet das Designhotel „duoMo“ in Riminis Altstadt. DZ/F ab 108 €, www.duomohotel.com

Essen Die Pizzeria „3 Pini“ in Gabicce Mare war schon 1971 unser Favorit. Pizzen und Pasta – einfach köstlich!Via Machiavelli, 15

Spezial-Tipp Tagsüber chillt man in arabisch anmutenden Zelten und Badekabinen im Retro-Look, nachts verwandelt sich das „Beach Café“ in Riccione in den zurzeit angesagtesten Club! www.beachcafe.it Infos www.emiliaromagnaturismo.it

 

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