Die 5-Minuten-Sex-Therapie
Überraschung: Schneller Sex kann die Liebe retten!
PETRA-Mitarbeiterin Natalie Weber schwört gerade in Langzeitbeziehungen auf den Quickie. Und manchmal findet sie ihn einfach nur praktisch: „Das Leben ist kurz. Warum sollte es der Sex nicht auch sein?“
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Das Leben ist verdammt kurz. Die Tage auch. Und die Nächte sowieso. Erst recht, wenn man zwei Kinder hat und ein drittes unterwegs ist. Ich bin deshalb dazu übergegangen, mich nicht länger als unbedingt nötig mit gewissen Dingen aufzuhalten. Das gilt für den Wochenendeinkauf wie für die Steuererklärung. Und es gilt auch für den Sex. Bevor Sie mich jetzt bedauern: Außer Zeit fehlt mir nichts – schon gar nicht im Bett. Dank der schnellen Nummer kann ich nämlich Spaß haben und komme dennoch rechtzeitig ins Büro. Nicht immer, aber immer öfter ist sogar ein Orgasmus drin, bevor mein Vierjähriger an die Tür hämmert, um mir mitzuteilen, dass er soeben die Brekkies unserer Katze verspeist hat. Und mein Mann und ich haben uns auch noch ziemlich lieb – weil sich selbst im größten Stress immer ein paar Minuten für die Steigerung unseres Oxytocin-Levels finden. Ich kann guten Gewissens bestätigen, dass die Ausschüttung des Bindungshormons durch physischen Kontakt, und sei er noch so kurz, tatsächlich kräftig angekurbelt wird. Warum also Geld für eine Paartherapie ausgeben, wenn man mit fünf Minuten Matratzensport weit bessere Ergebnisse erzielt? Kurz: Ich bin ein Fan des Quickies. Und das wirklich nicht nur notgedrungen, sondern aus Überzeugung. Eine Atlantik-Kreuzfahrt mag sicher ein Erlebnis sein. Ich nehme dennoch lieber den Flieger nach New York …
Dass Qualität nichts mit Quantität (gemessen in der Beischlaf-Dauer) zu tun hat, musste ich allerdings auch erst lernen. Zwischen Anfang 20 und Schwangerschaft 1 gehörte der Quickie jedenfalls nicht gerade zu dem, was ich als „guten Sex“ bezeichnet hätte. Ich hielt ihn, gelinde gesagt, für ein wenig minderbemittelt. Ordentlicher Beischlaf hatte gefälligst einen ganzen Nachmittag zu dauern – oder zumindest die halbe Nacht. Allein das Vorspiel brachte es auf Spielfilmlänge, vom Nachkuscheln gar nicht zu reden. Und zwischendrin? Mussten wir schon zwei-, dreimal kommen. Gemeinsam. Heute sehe ich das, wie erwähnt, ein wenig anders. Nach Schwangerschaft 1 war ich nämlich froh, wenn wir überhaupt kamen. Zwei- bis dreimal im Quartal. Und sicher nicht gemeinsam, weil einer von uns immer mit einem Ohr beim Baby oder beim Handy war. Nun könnte man sagen, dass man seine Ansprüche nach ein paar Beziehungsjahren und dem ersten Kind eben ein wenig herunterschrauben muss. Doch das Gegenteil geschieht: Je weniger Sex man hat, desto schöner, länger und spezieller sollte er sein, wenn er denn dann doch mal stattfindet. Mich hat das damals ganz schön unter Druck gesetzt. Und mein Mann war auch nicht gerade unbelastet. Mit der Zeit baute sich sogar so etwas wie Performance-Angst auf, die mit jedem „Aber morgen ganz bestimmt und es wird geil“-Wunschgedanken wuchs. Ein Teufelskreis, der durch die kleinen Streits über Dreckwäsche und andere Nichtigkeiten, in denen sich unsere sexuelle Frustration entlud, nicht gerade durchbrochen wurde. Da musste erst der Quickie kommen.