Beauty Porexie - der Trend für feine Poren

Mit dem Begriff „Porexie“ verspötteln US-Blogger den Hype, der neuerdings um eine möglichst feine Beschaffenheit der Poren gemacht wird. Noch nie gehört? Macht nichts. Wir kennen die besten Methoden
Feine Poren

Sind Poren die neuen Falten? Nachdem man Letztere mit Botox und Fillern ausknocken kann (wenn man denn will), tut sich eine neue Königsklasse des Anti-Aging auf – der perfekte, feinporige Teint. Was Talgdrüsenausgänge und Alter miteinander zu tun haben, ist schnell erklärt. An der Zahl der Poren kann die Zeit nicht rütteln, die ist genetisch festgelegt. Doch je praller die Haut ist, desto kleiner sind die Mini-Öffnungen; wird sie dünner und schlaffer, dehnen sich die Poren aus. Viel Talg fördert das Problem, doch auch in trockener Haut mutieren einst unsichtbare Löchlein mit den Jahren zu kleinen Kratern. In einer aktuellen US-Studie gaben drei Viertel von 500 befragten Frauen an, das Problem zu kennen, und hievten es damit auf Platz eins der Beauty-Sorgen. Nicht schlecht für ein Thema, das vor wenigen Jahren noch Randnotiz war.

Wer bei dem aufziehenden Hype mitreden will, muss als Erstes eine neue Vokabel lernen. „Blurring“ (Englisch für weichzeichnen, verwischen) bezeichnet alle kosmetischen Tricks, die Poren optisch kaschieren. Das Mittel der Wahl sind fügsame Polymere, die sich in die Löchlein legen, ohne einen öligen oder gar Mitesser fördernden Effekt zu erzeugen. Sie verhindern, dass sich das Licht in der Vertiefung bricht, und bieten dem Make-up eine scheinbar porenfreie Basis. Geschummelt, ja. Aber: It works.

Die Methoden

Fortgeschrittene Porexiker geben sich mit Photoshop aus dem Tiegel nicht zufrieden. Sie tun neuerdings etwas, was bislang Männersache war: Tag für Tag mit einem schnurrenden Apparat übers Gesicht fahren, allerdings mit einer elektrisch betriebenen Gesichtsbürste, nicht mit einem Rasierer. Der Trend schwappte vor einem Jahr aus den USA in unsere Bäder, jetzt kommt mit „Deep Pore“ ein System, das größenwahnsinnigen Poren gezielt an den Kragen gehen soll. Sein Trick: Die zigtausend kleinen, weichen Borsten sind so aufgebaut, dass sie die tief liegenden Bereiche besser reinigen als die Vorgängermodelle. Das sagt nicht nur der Hersteller, sondern auch das absolute Gros der Nutzer bei einem Verbrauchertest.

Wer keine Lust hat, tagein, tagaus mit der Gesichtsbürste zu hantieren, schaltet in die nächste Stufe der Porexie-Therapie – dem Gang zum Profi. Mit netten Wohlfühl- Treatments wird sich hier nicht lange aufgehalten. „Leichte Treatments wie Microdermabrasion verfeinern die Poren nicht“, sagt Martina Schwieger, medizinische Kosmetikerin. „Die besten Ergebnisse erzielen wir mit der Kombination aus Microneedling und Glykolsäure-Treatment.“ Dabei piekst erst ein Nadelroller etwa einen Millimeter tiefe Löcher in die Haut, dann wird hoch dosierte Säure aufgetragen. „Der Reiz stimuliert die Haut, sich zu erneuern, sie wird praller“, schwärmt die Hamburgerin und fügt hinzu: „Je fieser wir sind, desto besser sind die Ergebnisse.“

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 Weil die Haut durch Nadeln und Säure zur Erneuerung motiviert wird, wirkt sie auf die Poren wie Dessous von Spanx auf unsere Taille, nämlich schmälernd. Das Fünf-Sterne- Paket sind sechs solcher Behandlungen im Abstand von ein bis drei Wochen. Die ganze Prozedur klingt gemeiner, als sie ist, beteuert Schwieger. „Man ist sofort nach dem Treatment gesellschaftsfähig.“ Ein Schnäppchen ist die Maßnahme allerdings nicht: Etwa 1800 Euro kostet das Sechserpaket bei der Hamburger Expertin.

Tipps für zu Hause

Eifriges Peelen in Eigenregie ist allerdings keine Alternative. Weil der Poren-Hype in den USA schon länger grassiert, beklagen amerikanische Dermatologen wie der Promi- Doc Dr. Dennis Gross Spätfolgen von chronischer Porexie. Paradoxerweise sind das vergrößerte Poren. In der Annahme, Fett sei die Wurzel des Übels, ergo müsse nur ausreichend entfettet werden, peelen viele Amerikanerinnen, als gäb’s kein Morgen. Die Folge ist trockene und gereizte Haut mit weithin sichtbaren Poren. Die chronisch gestresste Haut lässt die Talgdrüsen auf Hochtouren arbeiten, um sich zu regenerieren, und die ausgetrocknete Oberfläche gibt ihnen keinen Halt.

Dabei ist eine hautfreundliche Anti-Poren-Pflege ganz einfach. Sie besteht zunächst einmal in der Kunst des Weglassens. „Die meisten Endverbraucher benutzen viel zu viel Fett in der Kosmetik, dabei vertragen das die wenigsten“, sagt Martina Schwieger. Ihre Tipps für cleveres Porenmanagement: Lichtschutz benutzen, damit die Hautalterung verlangsamt wird, fett arme Pflege mit Feuchthaltefaktoren wie Hyaluronsäure und leicht peelenden Zusätzen wie niedrig dosierter Glykolsäure wählen, und täglich reinigen, ohne die Haut radikal zu entfetten. „Wenn man sich an diese Regeln hält, bleiben die Poren klein.“ Außerdem verschwinden sichtbare Mitesser, man kann sich also die Ausdrück- Arien sparen, die nur schaden.

So einfach ist das? Yes! Und es geht noch einfacher, um ehrlich zu sein. Haben Sie schon einmal beim Anblick einer Freundin gedacht: „Hm, ganz schön große Poren, sieht irgendwie mies aus…“? Wohl kaum. Na, dann könnten wir uns doch einfach selbst wie eine gute Freundin behandeln, den Vergrößerungsspiegel links liegen lassen und die Haut nicht unnötig und sinnlos stressen. Wenn man sich doch mal eine kleine Porexie-Infektion einfängt, na gut, dann wird therapiert. Aber mit Sinn und Verstand.

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Autor:
Angelika Brodde