Beauty-Kolumne

Frisur-Probleme

Wer ist obenrum schon zufrieden? Unsere Beauty-Redakteurin Rüyam Altan erinnert sich, wie oft sie schief gewickelt war.

Frisur-Probleme

Die Naturkrause, mit der ich auf die Welt kam, gefiel meiner Mutter nicht. Drei Jahre lang schaute sie sich das Gewächs auf meinem Kopf an, dann griff sie zur Schere. Ratzfatz sah ich aus wie ein kleiner Igel. Meine Mutter hatte gehört, dass krauses Haar nach dem Kurzschneiden glatt nachwächst. Tat es natürlich nicht. Deshalb wurde ständig nachgebessert. Die Kürze an sich war mir egal. Was mich ärgerte, waren die Fremden, die mir den Kopf tätschelten und „süßer Junge!“ sagten. Ist es ein Wunder, dass langes Haar für mich der Inbegriff von Weiblichkeit geworden ist? Der Fisch stinkt immer vom Kopf her, heißt es. Das gilt auch fürs Styling: Ist die Frisur ein Flop, reißen Make-up und Outfit es auch nicht mehr raus.

Deshalb experimentieren die meisten Frauen drauf los, unablässig auf der Jagd nach dem ultimativen Look. Katastrophen sind da unvermeidlich. Meine Krause verwandelte sich in Locken, doch ich wollte glatte Strähnen. Weil wir kein Glätteisen besaßen, war bügeln angesagt. Das Brizzeln meines schmorenden Haars klingt mir heute noch in den Ohren. Nicht viel schlauer stellte sich meine Freundin Violetta an. Die hatte Schnittlauch-Haar und sehnte sich nach einem Wuschelkopf. Wir also rein in die Drogerie und eine Heimdauerwelle gekauft. Günstig war’s, doch zu spät erkannten wir: Gebleichtes Haar und Dauerwelle reagieren wie Nitro und Glycerin. Kurz darauf erinnerte Violetta an einen explodierten Königspudel. Wir hatten kein Geld und wussten es nicht besser. Aber welche Ausrede hat ein Hollywood-Star wie Cameron Diaz?

Ihre Haare wirken immer zippelig und ungewaschen. Nur in der Hit-Komödie „Verrückt nach Mary“ saß ihre Tolle bombenfest – trotz falschem Produkt. Und kann bitte jemand Dschungel-Star Nico Schwanz verraten, dass blonde Strähnchen bei Männern so sexy sind wie Thrombose-Kompressions-Strümpfe bei Frauen? Dieter Bohlen hat das doch auch begriffen, beziehungsweise sein Figaro. Das beweist, wie wichtig ein fähiger Friseur ist. Haben wir ihn erst gefunden, hüten wir seine Adresse wie den Heiligen Gral. Und verschmerzen es eher, vom Freund verlassen zu werden. Wie einfach wäre das Leben, wenn unser persönlicher Udo Walz jeden Morgen im Badezimmer auf uns warten würde! Aber die richtigen Produkte, etwas Übung und Know-how ersetzen (fast) jeden Profi. Eigentlich könntenwir sogar an einem absoluten Bad-Hair-Day gelassen bleiben: Männer sind haarblind. Den meisten fällt’s nicht auf, wenn ihre Frau frisch vom Friseur kommt. Es sei denn, mit Igel-Frisur.

Autor:
Rüyam Altan